ÖTILLÖ Worldseries SwimRun Hvar – ein Bericht

Ich bin nass – mir ist kalt – lass uns schwimmen.

Meine linke Wade ist mit einer Mischung aus Kinesiotape und starrem Tape zugekleistert. Das sollte helfen. Ich habe seit dem Trail du Petit Ballon letztes Wochenende eine kaputte Wade und leider keine Laufkilometer mehr hinter mich gebracht. Hmm. Wird schon. Hoffe ich.

ÖTILLÖ Worldseries Swimrun auf Hvar

Es ist alles gerichtet und nach einem ordentlichen Frühstück gehen wir an den Start zum Rest der SwimRun Familie in der Altstadt von Hvar. Unser Plan sieht einen sehr ruhigen Start vor. Nach wenigen Metern werden wir eh von der Kaimauer springen und das erste Schwimmen hinter uns bringen. Danach ruhig anlaufen zum zweiten. Ruhig aber kontinuierlich unser Tempo schwimmen, um dann auf die Laufstrecke zu gehen. Wenn die Wade hält, wird es dann ernst. 3 km offen Wasser durch den Kanal.

Wir waren gestern schon im Wasser, so dass mich die Kälte des Hafenbeckens nicht überrascht. Wir schwimmen wie besprochen nebeneinander – die Leine ist bis zum Einstieg des 2ten Schwimmens verboten – auf die gegenüberliegenden Felsen zu und traben im Pulk zum nächsten Einstieg. Das nächste Schwimmen ist überraschend wellig. Gestern zeigte sich das Meer in die nördliche Richtung viel angenehmer und nur gegen den Wind wellig. Heute ist es schon mit den Wellen ein Geschaukel. Vielleicht doch nicht schlecht, dass das lange Schwimmen weiter zur Inselmitte verschoben wurde. Das Schwimmen läuft gut. Das laufen hügelan ist für mich schon etwas mühsamer. Aber es geht. Am Wendepunkt kurze Versorgung und wir nehmen eine aufblasbare Boje mit zurück. Wieder am Wasser erhalten wir die Anweisung, auf der rechten Seite aus der Bucht zu schwimmen um dann auf ein rotes Boot mit flashlight zu zu schwimmen.

Hohe Wellen beim Schwimmen

An der Kante zwischen Bucht und Kanal geht der Punk ab. Wir halten erst mal an und versuchen uns zu orientieren. Noch ein kurzes Durchatmen und dann kommt der härteste Teil des Rennens auf uns zu. Barbara kann das Boot ausmachen und wir legen los. Ich bin trotz dem Offenwasser Camp auf Lanzarote froh hinten an der Leine schwimmen zu können. Das Geschaukel ist mir so schon heftig genug. Orientieren für mich nicht so recht möglich. Die Atmung wird schnell auf 2er oder 4er Atmung nach rechts umgestellt. Von links drückt das Wasser ganz ordentlich rein.

ÖTILLÖ Worldseries HVAR - Schwimmen3 Streckenübersicht

[unsere Schwimmlinie und die Ideallinie]

Warschau!

Gestern waren schon Wellen da. Aber da war das Kindergarten gegenüber heute. Ich sehe nicht mehr viel und konzentriere mich auf einen konstanten Zug. Ein kurzen Moment lassen die Wellen etwas nach, um dann gleich um so deutlicher wieder loszulegen. Mir geht die Sequenz aus dem Petersen Film nicht aus dem Kopf.  Die U96 kämpft sich Überwasser durch ein Wellenschlachtfeld, Der Bug hebt sich, um dann umso tiefer in das nächste Tal zu fallen. Nur haben wir hier niemand, der „Warschau“ ausruft. Den Kopf unachtsam gehalten und ich bekomme eine komplette Spülung der Nasennebenhöhlen. Unschön. Wir haben uns im Feld etwas vorgearbeitet und wieder Teams neben uns. Irgendwie schaltet sich mein Hirn aus. Ein steter Rhythmus zwischen 2er und 4er Atmung betäubt mich bis zum nächsten Salzschluck. Ich bin wieder da. Ich versuche, Barbara abzulösen und schwimme vorne. Das funktioniert nicht all zu gut. Ich lass mich dann doch wieder nach hinten fallen, heilfroh über die Verbindungsschnur, ohne die ich mich komplett verloren fühlen würde. Kommen wir überhaupt vorwärts ? Die Bestätigung muss durch einen Blick zurück abgeholt werden. ok. das passt. Etwas weiter ab von uns kann ich gerade erkennen, wie ein Team in eines der Begleitboote gehievt wird. Ok… da steigen wohl schon die ersten aus. Uns geht es denke ich noch gut. Barbara hält eine unaufgeregte Pace vor mir. Echt stark.

wohin?

Wir sind definitiv über der Hälfte, als wir kurz anhalten um uns zu orientieren. Das Team neben uns ebenso. Wir haben alle keine Ahnung wo genau wir hin sollen. Von dem roten Boot oder gar einem Flashlight ist schon lange nichts mehr zu sehen. So langsam wird es mir kühl. Also weiter. Beim nächsten Stopp erkenne ich einen Leuchtturm. Wir versuchen in die Richtung zu halten. Da stehen Leute drauf. Cool. Ich dachte wir müssen in irgendeine der Buchten vor uns rein. Aber ich nehm auch gerne das hier. Wir arbeiten uns nun direkt gegen die Wellen vor. Offensichtlich sind wir zu weit nach rechts abgetrieben. Das ist jetzt nicht mehr so gemütlich. Aber da sind definitv gerade mehrere Teams am Rauskrabbeln! Juhuhh.

Orientierung dank Leuchtturm

Wir sind am Leuchttürmchen. Merkwürdig, dass das am Vorabend keiner erwähnt hat. Wäre ja eine gute Orientierungsmöglichkeit gewesen. Was soll’s, raus hier. – Aber was ist das? Der Felsen ist gerade mal 5* 10 Meter groß. Und danach Wasser! Bäh. Hier bläst dazu noch ein rauher Wind. Sehr kalt. Aber von hier ist es nicht mehr weit zum Ufer. Rein ins Wasser. Die Bucht scheint aber auch noch etwas weiter gegen die Wellen zu liegen. Das wird Arbeit. Barbara zieht ans Ufer. Wir müssen aber noch weiter hoch. Barbara will an Land erst mal Verschnaufen – was ist da los? Jetzt muß ich dann wohl den Rest vorneweg. Gut, ich reiss mich zusammen. Kurz danach kommen wir so langsam in den Windschatten der vorausliegenden Bucht und das Wasser wird zunehmend ruhiger. Ich erkenne eine Head Boje. Super! Wir sind richtig! Jetzt nur noch in die Bucht und ein paar hundert Meter bis ans Ufer. Ich folge einem Team vor uns und wir entscheiden uns wohl für die falsche Seite der Landungsbrücke, können diese aber am Ende glücklicherweise unterqueren und schon dürfen wir an Land. Uff, das war ein ekliges Stück. Ich habe vor lauter Salz einen rauen Rachen und stürze mich auf das angebotene Getränk. Die restliche Verpflegung ist übersichtlich, also weiter. Jetzt ist es uns erst mal so richtig kalt und wir gehen in den Wandermodus über. Für’s Laufen sind wir noch zu ungelenk. Leider kommt der nächste Schwimmabschnitt bereits nach etwa 500 Meter Land. Ich steh schon im Wasser, als Barbara was vom aufhören murmelt. Sie zittert ordentlich vor sich hin. Ich bin klatschnass, steh hier im Wind und mich friert. Ich will weiter und zwar gleich. Das kommuniziere ich auch und wir einigen uns auf ein „into the bushes“ Pause, während der ich Hampelmänner mache, um mich warm zu bekommen. Das schwimmen ist glücklicherweise recht kurz und deutlich ruhiger.

2 Stunden im Wasser

Danach realisiere ich erst so recht, dass wir bald 2 Stunden für die lange Querung gebraucht hatten. 2 Stunden? Gerechnet hatten wir mit 1:15 oder so etwas. Aber die Uhr ist eindeutig. Somit ist der Cutoff in Hvar extrem unwahrscheinlich, und ich nicht böse darüber, dass wir sofort das Tempo rausnehmen. Wenn wir eh rausfliegen, dann brauchen wir uns hier auf dem Karstgestein nicht auch noch die Füsse brechen. Wir bringen noch ein oder zwei Schwimmen hinter uns. Schöne Trails wechseln sich mit reichlich unlaufbarem Gestein ab.

Wir arbeiten uns Richtung Hvar voran. Sehr einsames Rennen auf dieser Seite der Insel. Immerhin gibt es hier auf jedem Schwimmabschnitt ein Boot!

Vor dem letzten Wassereinstieg vor Hvar steht doch tatsächlich einer der Rennleiter am Ufer, um uns die Schwimmrichtung zu erklären. Naja. Das werden wir jetzt hoffentlich auch noch schaffen. Barbara geht wieder vor. Aber das Schwimmen wird wieder richtig ekelhaft . Strammer Wind und Wellen erschweren einem das Vorankommen deutlich. Aber wir bekommen das noch geregelt. Dann noch locker durch Hvar traben und unseren Chip abgeben. Für die zweite Runde über die Berge sind wir deutlich zu spät hier – und ehrlich ich will in kein weiteres Schwimmen mehr einsteigen! Basta! Finito!

Mic wartet mit einem Bier auf uns – perfekt. Jetzt geht es ins Appartment unter die Dusche und was zu Essen organisieren.

Habe fertig. Bin vollauf zufrieden. Hätte nicht gedacht, das ich, wenn auch nur mit Hilfe von Barbara so ein langes hartes Schwimmen schaffe.

Happy.

2018-04-18T14:48:59+00:00Von |0 Kommentare

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